Technische Architektur für eine lernende Organisation
An der Bertha-von-Suttner-Schule haben wir gemeinsam mit Kollegium und Schulgemeinde eine eigene Schulcloud und den KI-Agenten bertha.KI aufgebaut. Der Schulträger finanziert beides, sein IT-Dienstleister ist eingebunden. Hier steht, wie die Teile zusammenhängen.
Warum so gebaut
Vom Internet bis zum WLAN aus dem Digitalpakt hat es 28 Jahre gedauert. Bei KI wissen wir nicht, was im nächsten Jahr möglich ist. Wir haben uns deshalb gefragt, was man tut, wenn die Welt schneller ist als das System, in dem man arbeitet.
Unsere Antwort: Die Schule muss selbst beweglich werden und dazulernen können. Die Technik soll das mitmachen. Deshalb besteht sie aus Bausteinen, die wir ergänzen oder austauschen können, und wir entscheiden das an der Schule.
Dazu kommt: KI macht es leichter, Daten zu missbrauchen. Je mehr eine Schule mit KI arbeitet, desto wichtiger wird, wo ihre Daten liegen und wer darauf zugreifen kann. Beides zusammen führt uns zu einer souveränen IT als Grundprinzip.
Schulcloud
Die Schulcloud besteht aus Open-Source-Software:
- Nextcloud für Dateien, Kalender, Chat und Videokonferenzen
- Collabora für Texte, Tabellen und Präsentationen im Browser
- Moodle als Lernplattform
- Keycloak für ein gemeinsames Konto in allen Diensten
- Stalwart als E-Mail-Server
- ein eigenes Portal für Lern-Apps, die Kolleginnen und Kollegen selbst bauen
- ein eigener KI-Server, dazu Open WebUI als Chat im Browser
Die Bausteine greifen ineinander. Verbunden werden sie durch n8n, das ist der Klebstoff zwischen den Systemen. Darüber laufen die Benutzerverwaltung und viele Verwaltungsabläufe automatisch. Wird zum Beispiel eine neue Klasse angelegt, entstehen daraus die Gruppe in der Cloud, ein Chatraum, ein Moodle-Kurs und ein Mailverteiler.
bertha.KI
bertha.KI ist ein Agent. Er beantwortet Fragen und kann auch selbst etwas tun, zum Beispiel einen Termin eintragen oder eine Mail schreiben. Dafür ist er mit den Diensten der Schulcloud verbunden.
Man erreicht ihn dort, wo ohnehin gearbeitet wird: als Talk-Bot im Messenger der Schule, in Open WebUI und in Moodle. Ein zweites Konto braucht es dafür nicht.
Lehrkräften hilft er bei der Vorbereitung. Er legt in Moodle Seiten, Tests, Aufgaben oder H5P-Übungen an, sucht passende Lern-Apps aus dem Portal heraus und erstellt bei Bedarf auch neue Lern-Apps.
Mit Lernenden arbeitet er als Lernbegleiter. Bei Aufgaben gibt er keine fertige Lösung. Er fragt nach dem nächsten Schritt, etwa: „Was hast du schon versucht?“ Diese Regel lässt sich im Chat nicht abschalten.
bertha.KI merkt sich, worum man ihn bittet, und kann an frühere Gespräche anknüpfen. Jeder Eintrag hat eine Sichtbarkeit und eine Löschfrist. Jede Person kann nachsehen, was gespeichert ist, und es löschen.
Er arbeitet mit den Rechten der Person, die fragt. Was eine Schülerin nicht sehen darf, sieht sie auch im Chat nicht. Bevor er etwas mit Wirkung tut, etwa eine Mail verschickt, fragt er nach. Wir können nachsehen, was er getan hat, und die Regeln ändern. Das geht, weil er uns gehört.
Stand
Beides läuft im Alltag. Für Lernende läuft ein Pilot. Ein gemeinsames Gedächtnis für die Lernentwicklung ist gebaut, aber noch leer.
Ein fertiges Produkt ist das nicht. Wir entwickeln es gemeinsam weiter und ändern, was sich nicht bewährt. Wenn Sie Interesse haben, schreiben Sie mir über das Formular.